30.01.2012
Seniorenvertretung: SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus als Vorreiter für Urwahl
Koalition zieht die Reißleine – Vorlage zurückgestellt
Seit 10 Jahren setzt sich die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus für einen gewählten Seniorenbeirat in Darmstadt ein. Etwa die Hälfte der hessischen Seniorenvertretungen in Kommunen kamen durch eine Urwahl aller über 60 Jahre alten Bürgerinnen und Bürger zustande. „Es waren viele Überzeugungsrunden auch in der eigenen Partei notwendig,“ so der Vorsitzende Dr. Wolf-Dietrich Schulze,“ wir mussten Vorurteile beiseite räumen. Viele mussten erst einsehen, dass sich heute die älteren Menschen viel mehr in die Gesellschaft einbringen wollen, als früher.“
Oberbürgermeister Jochen Partsch und die Grün-Schwarze Koalition zog sich bis jetzt immer wieder auf die These zurück, die Aufgabe einer Seniorenvertretung könne der eingetragene Verein „Seniorenrat“ erfüllen. 2005 hatte in einer Anhörung im Sozialausschuss die damalige Sozialamtsleiterin geschickt eine Mehrheit dafür organisiert.
Dass sich die Zeiten seit 2005 erneut verändert haben, musste Oberbürgermeister Jochen Partsch und seine Sozialdezernentin Barbara Akdeniz jetzt einsehen. 15 Vertreter verschiedener Vereine, die im Seniorenbereich tätig sind, machten ihm in einer auf hohem Niveau geführten Diskussionsrunde klar, dass es zumindest eine neue Anhörung geben muss. Barbara Akdeniz zog dann die Reißleine und nahm die Magistratsvorlage aus dem Geschäftsgang.
Die SPD AG 60plus hatte mit dem Unterbezirksvorsitzenden Dr. Klaus Uebe einen kompetenten „Mitstreiter“ gefunden. „Wir sind nur Berater und praktisch Paten der Interessengemeinschaft gewählter Seniorenbeirat,“ betont Klaus Uebe. Damit widersprach er den Worten der Fraktionsvorsitzenden von Grünen und CDU, die von einer „weiteren Spielwiese der Parteien“ geschrieben hatten. „Inzwischen gehören neun Organisationen der Interessengemeinschaft an, die Akademie 55plus sehen wir dabei an der Spitze,“ so Klaus Uebe. Die Interessengemeinschaft möchte eine demokratisch legitimierte Seniorenvertretung, wie sie im direkten Umfeld Darmstadts zum Beispiel in Seeheim-Jugenheim besteht. Politisch und juristisch ist die Ernennung des ansonsten rührigen Vereins „Seniorenrat e.V.“ unhaltbar. „Im Seniorenrat e.V. können nur natürliche Personen Mitglied werden, Seniorenorganisationen bleiben außen vor,“ so Wolf-Dietrich Schulze, der gern die Vorsitzende des Heimbeirates des Wohnparks in Kranichstein Erna Pfaff zitiert: „Niemand käme auf die Idee, den SV 98 zum Vertreter aller Sportlerinnen und Sportler zu ernennen, der Seniorenrat e.V. kann bei der von uns gewollten demokratischen Urwahl wie jede andere Gruppe kandidieren.“